Ich durfte bei meiner Freundin in Inwil übernachten. Aus ihrem Permakulturgarten pflückte ich frischen Nüsslisalat. Was hatte ich wohl am meisten vermisst aus der Schweiz? Genau. Salat.
Ja, es gibt Salat in Ecuador, aber immer mit einem kleinen Zusatz. Die Amöben und der darauf folgende Durchfall sind meist inklusive. Deshalb esse ich hier keinen rohen Salat. In Ecuador gilt: schälen, kochen, desinfizieren und sehr gut waschen, wenn man keine Magenverstimmung einfangen möchte.
Ich genoss es, in ihrem autarken Pilatusholzhaus zu wohnen, mit ihren Tieren und Kindern zusammen zu sein. Und am nächsten Morgen wartete der grosse Tag auf mich.
Tempel Villa Maria
Meine Freundin fuhr mich zu Karin Stettlers Wirk und Werkort zur Villa Maria in Dierikon (K. Stettler, Praxis für Körper und Seele, Kontakt. 076 446 86 61). Diese Oase oberhalb des Dorfes hat sogar einen eigenen kleinen Tempel, der jederzeit öffentlich zugänglich ist. Alles wurde von Karin selbst gestaltet.


Allein der Gedanke, dass ich dort nicht nur töpfern, sondern auch Lila Vásquez von Waka Museo Vivo wiedersehen würde, erfüllte mich mit tiefer Freude.
Lila lebt heute in Ecuador, stammt jedoch ursprünglich aus Peru. Sie ist tief mit der andinen Kosmovision verbunden.
Töpferkurs
Über eine Freundin lernte ich Lila und ihre Töpferkunst kennen. Schon im letzten Jahr war sie auf Europatour, und ich wollte sie unbedingt in Ecuador treffen. Der Zufall oder das Schicksal wollte es, dass sie in Baños mit ihrer Familie in den Ferien war. Sie besuchte uns zu Hause und gemeinsam pilgerten wir zu meinem heiligen Baum, dem Abuelo in Rio Negro.
Später reiste sie zu meinem Freund Alonso ins Hostal Runa Huasi, siehe Entdeckungswelt und verliebte sich, wie ich, in diesen magischen Ort. Ich schaffte es damals nie an die Küste zu fahren, wo Lila zuhause ist. Doch sie nun hier in der Schweiz zu treffen, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht erwartet.
Und dann geschah er, der magische Moment. Ich hörte Schritte auf der knarrenden Treppe. Und da standen sie. Meine Mutter und meine Schwester. Nichtsahnend, dass ich mich im Wohnzimmer vor ihnen versteckte.
Dass ich dieses Ziehen in der Brust verspürte und in die Schweiz fliegen wollte, lag nicht nur an der Herzoperation meines Vaters.
Ich spürte es auch, weil meine Mutter im Oktober ihren 70. Geburtstag feiern durfte.
Gerne wäre ich an diesem besonderen Tag an ihrer Seite gewesen. Doch wie man so schön sagt: Gut Ding will Weile haben.
Ich schenkte meiner Mutter und meiner Schwester genau diesen Töpferkurs von Karin und Lila zu ihren Geburtstagen. Beide Frauen sind so talentiert, so kraftvoll in ihrer Weiblichkeit und so tief verbunden mit der Erde, dass allein der Gedanke an ihre gemeinsame Arbeit mich mit Seelenfrieden erfüllte. Und nun auch noch zusammen mit meiner Mutter und meiner Schwester diesen Tag zu verbringen, das war für mich wie ein Sechser im Lotto.
Als ich meine Mutter von hinten umarmte, blieb ihr für einen Moment die Luft weg. Dann liefen uns die Freudentränen über das Gesicht.
Weder meine Mutter noch meine Schwester hatten die geringste Vorahnung.
Wir umarmten uns innig.
Und wie es der Zufall wollte, handelte dieser Kurstag vom inneren Kind.
Meine Mutter und ihre beiden Töchter, nach zwei Jahren wieder vereint, töpfernd über das innere Kind.
In die Mitte des Raumes, dort, wo auch Lilas Chakana, das Andenkreuz, lag, legte ich meine mitgebrachte Kakaofrucht, eine Avocado und Bananen von unserem Land. Kleine Mitbringsel, um die Welten miteinander zu verbinden.



Wir begannen damit, den Ton blind zu berühren.
Nur unsere Hände, das Material und die Erde, die durch unsere Finger sprach.
Mit einer geführten Meditation durch unsere Entstehung, Geburt, Kindheit und Jugend formten wir blind eine Blume und fühlten das weiche, feuchte, erdige Material. Diese Meditation war zutiefst berührend. Zu erkennen, wie wichtig es ist, zur Menarche eine tiefe Verbindung mit Mutter Erde einzugehen, war für mich ein Schlüsselmoment. Denn dann lehrt sie dich alles, was du über das Muttersein wissen darfst.
Ich wünsche mir sehr, dass meine Nichten und alle zukünftigen Mädchen, die zu Frauen werden, dieses Wissen durch Mutter Erde wieder abrufen können.
Dann begann das eigentliche Töpfern.
Die Sonaja, eine Rassel aus Ton, formten wir wie einen Berg. Den Apu, der uns Halt gibt, uns beschützt und uns in jedem Moment mit Kraft versorgt. In diesen Berg zeichneten wir unser inneres Kind hinein, eingehüllt vom Berggeist, gehalten und gesehen. Der Regenbogen, der alles umrahmt und farbig macht, durfte nicht fehlen, ebenso wie die tiefen Wurzeln, die das Kind auf dieser Erde halten.
Für unsere Sonaja formten wir aus Ton 108 kleine Kügelchen. Jedes Kügelchen wurde gefüllt mit einer guten Absicht, einem Wunsch, einer Manifestation, mit Träumen und Liebe.
108 kleine Gebete aus Ton, gewidmet unserem inneren Kind.
Danach pilgerten wir gemeinsam zum nächsten Bach, um die zu Beginn geformte Tonblume mit unserer Entstehungsgeschichte bis zur Jugend achtsam dem Wasser zu übergeben. Altes durfte abfliessen, Neues durfte erblühen.
Wenn Lila einen neuen Ort betritt, bittet sie die Wesenheiten und den Ort selbst um Erlaubnis. Für mich ergibt das tiefen Sinn. Wenn wir ein Haus oder eine Wohnung betreten, bitten wir ebenfalls um Einlass. Warum also sollten wir die Orte der Natur nicht mit derselben Achtung und dem gleichen Respekt behandeln?
Am nächsten Tag liefen eine Freundin, Lila und ich zum Michelskreuz, zu zwei mächtigen, heiligen, alten Baumwesen. Nicht in Ecuador, sondern hier in der Schweiz.

Welten zu verbinden war und ist immer schon mein Weg.
Danke für diesen wunderbaren Tag mit dem inneren Kind. Es hat spürbar an Kraft gewonnen durch den Halt meiner Mutter, meiner Schwester, des Berges und der guten Gebete der 108 Kügelchen.
Danke an Lila und Karin für diesen Raum, den ihr gemeinsam erschaffen habt.
Was ich sonst noch Wundersames erlebt habe, erzähle ich euch in Teil 3.
Dann geht es um Höhenflüge und um das noch tiefer wurzeln und das Neu-Geboren-Werden.
Liebe Isabelle,
du hast uns hier einen so unglaublich schönen, Liebe vollen, innigen und aus deiner Erfahrung authentischen Bericht gesendet über die Zeremonien mit Lila Vasquez, ich bin wirklich sehr berührt und darf durch deine Schreibkunst alles nochmals durchleben.!!! Ich danke dir von Herzen, auch für deine Anerkennung und Wertschätzung und überhaupt…, es kam ja alles durch dich zustande, denn du hast Lila mit mir vernetzt, was für ein wundervolles Geschenk. 🙏🏼🙏🏼🙏🏼🙏🏼💖
In Dankbarkeit und mit grosser Inspiration durch euch wandle ich auf der magischen Insel Santorini und segne diesen atemberaubenden Kraft Ort, das Meer, die Pflanzen und alle Wesen, die sich jetzt im Winter ausruhen vom überbordenden Tourismus , der ab April zurück kehrt…
Alles Liebi v. Karin ❤️