Fühl ich mich noch als Sünderin und lang ersehnte Ferien

Bevor ich über die verschiedenen Transportmittel in Ecuador berichte, möchte ich euch, nach einigen Erkundigungen meiner tollen Blog-Leser, gestehen, dass ich mich nicht nur als «Sünderin» fühle, sondern die gefährliche Freiheit auch zum Teil geniesse. Ohne Helm auf einem Motorrad zu sitzen hat schon etwas befreiendes (nein Mami, jetzt in meiner fortgeschrittenen Schwangerschaft mache ich solche «gspässli» nicht mehr). Auch ist das Reisen im Taxi oder Auto mit Inti viel entspannter, wenn er sitzen darf wo er will und bei einer längeren Reise auch seine Turnübungen vornehmen darf oder einfach auf unserem Arm einschlafen kann. Jetzt wo mein Bauch schon recht gross ist, reise ich aber nicht mehr gerne. Die Busse rasen manchmal wie verrückt durch die kurvigen Strassen oder veranstalten im schlimmsten Fall gegenseitige Rennen. Ausserdem hat es an vielen Orten in den Dörfern Tempo-Schwellen die recht gross gebaut sind. Wenn so eine Schwelle übersehen wird oder mit grosser Geschwindigkeit überfahren wird, dann fliegt der Bus oder das Auto schon 1 m durch die Luft. Also auch als Nichtschwangere war das schon unangenehm.

Kommen wir also zum Busfahren. Das ist das häufigste und günstigste Transportmittel in Ecuador. Von Rio Negro bis Baños bezahlen wir für die halbstündige Fahrt 1.25$, eine 3.5h fahrt nach Quito kostet 4$. Laut Fränzi und Mäsi kostete eine Tageskarte mit dem Bus durch Quito 0.25$. Der Betrag wird vom Kassierer im Bus beim Sitz verlangt. Es gibt viele verschiedene Busunternehmungen. Die meisten Busse sind wie Reisecars ausgestattet und auch mit Klimaanlage sowie TV versehen. Ja, den lieben Bildschirm in den Bussen hätte ich manchmals verfluchen können. Leider werden dort grösstenteils nur Amiverherrlichende, gewalttätige und blutige Kriegsfilme, Kampf- oder Sexszenen gezeigt. Egal ob der Bus mit Babys, Kindern oder Minderjährigen besetzt ist. Inti hält sich von selbst manchmal schon die Augen zu, wenn wir sagen, es sei kein Film für Kinder. Leider genügt es auch nicht einfach nicht hin zu schauen, der Film wird in voller Lautstärke gezeigt. Als der Ex-Präsident an der Macht war, wurden solche Filme verboten…Neuer Präsident, alte Regeln – Leider. Das gute ist aber, dass jeder Bus eine Nummer hat und falls der Chauffeur nicht artig fährt, kann dort reklamiert werden und der Fahrer kann, je nach Verstoss, entlassen werden. Daher sind die Busrennen zwischen den verschiedenen Anbietern viel weniger geworden.

Wie funktioniert es denn mit ein- und aussteigen? Gibt es Haltestellen? Gibt es Fahrpläne und werden diese überhaupt eingehalten?

Bei uns in Rio Negro gibt es zwei Bushäuschen. Dort warten wir bis ein Bus kommt und halten unsere Hand raus und winken. So weiss der Chauffeur, dass wir mitfahren wollen. Gibt es keine Bushäuschen warten wir einfach am Strassenrand und winken dem Bus zu. Das gleiche gilt fürs Aussteigen. Jederzeit kann ausgestiegen werden. Es ist wichtig frühzeitig zum Chauffeur zu laufen und zu sagen «aqui no mas», das heisst «bis hierhin, nicht weiter». Wenn der Bus durch die kurvigen Strassen rast, ist es echt schwierig aus dem Sitz zu kommen und sich bis zum Chauffeur durchzukämpfen. Aber eben, all das funktioniert und haben wir bis jetzt überlebt. Dann gibt es natürlich die grösseren Busbahnhöfe. Das sind dann die Anfangs- oder Endpunkte. Bei grösseren Busreisen gibt es Abfahrtszeiten wo genau steht wann ein Bus losfährt. Das wird auch mehr oder weniger eingehalten. Bei uns in Rio Negro gibt es keine Fahrpläne. Wenn wir einen wichtigen Termin in Baños haben, gehen wie einfach schon 1- 1.5h früher aus dem Haus. Dann setzen wir uns zum Bushäuschen und warten bis ein Bus kommt. In der Regel hat es alle 30min einen Bus. Manchmal gibt es aber erst nach einer Stunde einen Bus und dann kommen gleich zwei hintereinander oder der Bus ist schon voll und wir müssen auf den nächsten warten. Das Warten wird mit Bekannten oder Dorfbewohnern mit einem Schwätzchen verkürzt. Das Reisen ist natürlich viel entspannter als in der Schweiz. Dort wusste ich, zu dieser und dieser Uhrzeit fährt mein Zug. Hopp galopp, 5min vor Abfahrt aufs Velo schwingen und hoffen, dass ichs in dieser Zeit zum Bahnhof schaffe. Das geht hier nicht und niemand springt gestresst auf den Bus. Das gibts hier einfach nicht. Leute die herumhetzen oder herumspringen habe ich noch nie gesehen. Vielleicht in den Städten, aber das konnte ich bis jetzt noch nicht beobachten.

Weitere beliebte Transportmittel sind die Taxis. Auch da gibt es Taxistationen oder sie werden einfach auf der Strasse abgewunken. Eine Taxifahrt von ca. 10min kostet ca. 1.25$- 1.50$. Eine halbstündige Fahrt zu uns nach Rio Negro kostet 10$. Dann gibt es Transporttaxis die beladen werden können. Mit voller Beladung bezahlen wir 15$. Diese Taxifahrten geniesse ich meist sehr, weil der Taxichauffeur gerne über das Leben, Gott und die Welt spricht. Auch die neusten Gerüchte werden ausgetauscht. Ecuadorianer lieben «Chismes», Gerüchte und Telenovelas. Telenovelas könnten wir schon wieder haufenweise schreiben. Das Leben hier ist manchmal so kurios, dass es schon wieder sehr Witzig ist.

Dann gibt es noch diverse touristische Zugreisen. Diese sind aber nicht für den öffentlichen Verkehr gedacht, sondern  nur für Luxustouristen. Die Dampflock tukelt mit ca. 20km/h entlang der Vulkane richtung Guayaquil. Früher durfte auf dem Dach sitzend mitgereist werden. Das ist heute verboten. (Diesen Zug gibt es seit der Pandemie nicht mehr, aktualisiert am 21.01.2024)

Was mir auch aufgefallen ist, ist wie ruhig der Himmel über Rio Negro ist. Bei uns in der Schweiz hört man ständig Flugzeuge oder Helikopter. Hier fliegt vielleicht 1x im Monat ein Helikopter über unsere Köpfe.

Da ich nicht mehr gerne herumreise, haben wir uns entschlossen mit dem Taxi 5 min. von uns Ferien zu machen. Wir tauchten in eine komplett andere Welt ein, obwohl es nur ein Katzensprung von uns entfernt war. Wir waren an einem Ort ohne Empfang und Internetverbindung und weit weg von Familiendramas oder Telenovela. 5 Tage die sich angefühlt haben wie einen Monat. 5 Tage Yoga, Meditation, wunderbar feines Veganes Essen und jeden Tag im glasklaren Wasserfall baden gehen. Inti hat die Hunde und Katzen sowie die pure Natur auch genossen. Jeden Tag konnte er mit dem Hundewelpen Chandra «fangis» spielen und sie hat ihm immer die Hosen runter gezogen. Auch die Menschen die dort arbeiten und leben, haben sich in Inti verliebt und er hatte genug Unterhaltung. Viele hier meinen er sei schon 3 oder 4 Jahre alt und vor allem wenns ums flirten geht mit hübschen Frauen ist er schon ein Profi. Auch braucht er seine Sprache gekonnt. Er switcht zwischen Spanisch und Schweizerdeutsch und manchmal fragt er mich mit grossen Augen auf Englisch «what are you doing?» Dann muss ich immer so lachen. Wir können unser Glück kaum fassen, dass wir so viel Zeit mit ihm und als Familie hier geniessen dürfen. Auch geht es mir momentan in der Schwangerschaft sehr gut. Das Baby bewegt sich viel und entwickelt sich planmässig. Leider haben wir noch keinen Namen. Falls also jemand einen schönen Namensvorschlag hat, sind wir sehr dankbar darüber.

Wir wünschen euch allen einen restlichen, schönen Sonntag und herzliche Grüsse aus Ecuador

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